Selbstbejahung als Weg aus dem Trauma

 

Ziele der Weiterbildung:

  • Die Schwere des Traumas entgegennehmen
  • die Kraft  der Selbstrettung erkennen
  • die Schönheit der unzerstörbaren Selbstliebe wiederfinden

 

 

 

Inhalte dieser Seite:

  1. Überblick über die Personzentrierte Traumatherapie
  2. Theoretische und methodische Grundlagen der Personzentrierten Traumatherapie
  3. Inhalte der einzelnen Seminare
  4. Der Rahmen

 

Die Weiterbildung in Personzentrierter Traumatherapie hat zwei Schwerpunkte:

  1. Ein tragfähiges Beziehungsangebot auf der Grundlage der Personzentrierten Grundhaltung und                                                                                       
  2. Sicherheit im therapeutischen Weg, der auch angesichts unaushaltbar erscheinendem Leid einen Lösungsweg aufzeigen kann.

Personzentrierte Traumatherapie baut auf der Fähigkeit auf, die selbsterhaltenden und selbstrettenden Impulse der Klienten auch in ihren verfestigten Überlebensmustern zu erkennen, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und ihre bejahende Exploration anzuregen. Ziel dieses therapeutischen Wegs ist die Transformation  selbstverneinender Strukturen in Selbstbejahung und Selbstliebe.

Die zentrale Frage der Klienten in der Traumatherapie ist die, ob sie sich sicher fühlen können und ob sie auch noch ausgehalten werden, wenn sie sich mit ihren traumatischen Erfahrungen und Selbstrettungsdynamiken zumuten.

 

Personzentrierte Traumatherapie ist eine Begleitung von Menschen auf ihrem Weg durch ihre Erfahrungen von schutzloser Preisgabe an existenziell bedrohliches Verletzt- sein, von Ohnmachtsgefühlen, Ausgeliefertsein,  Todes- und Vernichtungsangst. Es ist ein mitfühlendes Mit-gehen durch Verzweiflung, Wut und trotziges Aufbegehren gegen unfassbare Zuschreibungen von angeblicher Wertlosigkeit und Schlechtheit. Es ist ein Halt geben durch Mitfühlen, ohne sich in Mitleid zu verlieren. Ein sich Berühren lassen von dem Leid, vor allem aber von der Kraft der Klienten, ihr Überleben auf oft abenteuerlich kreative Weise gerettet zu haben. Und es ist ein sich Freuen an der Widerstandskraft und Widerstandsfähigkeit der Klienten, die es geschafft haben, sich einerseits so weitreichend, wie es überlebensnotwendig war, den Traumabedingungen angepasst zu haben, sich andererseits aber auch so vollständig verborgen und damit gerettet zu haben, dass sie in ihrem innersten Kern unbeschadet geblieben sind.

Personzentrierte Traumatherapie ist der Weg durch den Widerstand in die Freiheit. Ein Frei -werden von Verstrickungen und Selbstboykott und ein Entdecken und Entfalten der inneren Kraft, Stärke und der unzerstörbaren Lebendigkeit.

Theoretische und methodische Grundlagen der Personzentrierten Traumatherapie:

1. Die Personzentrierung:

  • Empathie, Wertschätzung und Kongruenz werden in der Personzentrierten Traumatherapie nicht als theoretische Lehrformeln verstanden, sondern als unmittelbare, tiefe Menschlichkeit gelebt
  • Empathie ist Öffnung für das Leid der Anderen, das im therapeutischen Prozess getragen wird durch die Öffnung der Therapeuten für ihre eigene tiefste Lebendigkeit, Liebe und Kraft
  • Wertschätzung bedeutet in der Personzentrierten Traumatherapie bedingungslose Wertschätzung allen Beteiligten gegenüber, den Opfern und den Tätern. Die Wertschätzung für die Opfer respektiert das Ausgeliefert sein des Opfers an die traumatisierende Situation und erkennt an, dass (in einem Entwicklungstrauma) durch einen verachtenden und missbräuchlichen Umgang mit der Verantwortung der Erwachsenen bzw.  der, im Hierarchiegefüge mächtigeren Person, das Opfer Schaden genommen und mit erheblichen Einschränkungen und Belastungen zu leben hat. Wertschätzung für die Opfer ist gleichermaßen die Anerkennung ihrer enormen Selbstrettungskompetenz und ihrer lebensrettenden Widerstandsfähigkeit gegenüber unfassbarer Lieblosigkeit. Wertschätzung gegenüber den Tätern  bedeutet den oft lebenslangen Schaden anzuerkennen, den sie durch Ihre Taten bei den Opfern verursacht haben. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Traumastruktur kann zu einem Verstehen führen und eine Möglichkeit für  Täter und Opfer sein sein, Frieden zu finden.
  • Kongruenz bedeutet Echt sein. Echt sein ist unerlässliche Bedingung in der therapeutischen Beziehung, um Vertrauen und Sicherheit zu ermöglichen. Kongruent sein, echt sein,  geht einher mit dem Mut sich zu zeigen anstatt sich hinter einer professionellen Fassade zu verstecken und doch gleichermaßen den Weg zu kennen, vom Verstricktsein in traumabedingte Überlebensmuster hin zu echtem, authentischen man selbst sein.

(vgl. Carl R. Rogers: Die nicht-direktive Beratung, 1985/ Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie / Client centerd Therapy, 1988/ Entwicklung der Persönlichkeit – Konzepte der Humanwissenschaften/ 1985, Eine Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen,1991, Der neue Mensch, 1983)

 

 

2. Die Psychologie der Selbstbejahung

Selbstbejahung ist der Weg aus dem Trauma. Während die betroffene Person in der Traumaerfahrung erlebt, dass sie angeblich nichts an Wert, minderwertig oder schlecht sei, kann diese zur Überzeugung gewordene Selbstwahrnehmung nur durch Selbstbejahung in eine heilsame Kraft umgewandelt werden.

Selbstbejahung ist das Ja zu mir. Es schließt nicht das Eine aus und bejaht das Andere. Es bedeutet viel mehr alles, was ist, zu bejahen. Selbstverneinung führt zu negativen Grundüberzeugungen. Die selbstverneinende Dynamik kann aufgelöst werden, indem erkannt wird, dass die Selbstverneinung ein notwendiger Schritt war, um unter traumatisierenden Lebensbedingungen das eigene Überleben zu sichern.

(Vgl. Hartmann u.a., Selbstbejahung als Weg aus dem Trauma, 2011)

 

3. Die Haltung des Geschehen lassens

Die personzentrierte Grundhaltung ist eine zentrale Voraussetzung für die Haltung des Geschehen lassens. Geschehen lassen bedeutet, den Gefühlen, die sich von alleine zeigen wollen, zu erlauben sich zu zeigen, ohne Manipulation oder Druck. Klienten erleben die Haltung des Geschehen lassens als eine Einladung, ihre Gefühle, auch die, die unaushaltbar erscheinen, wirklich zulassen zu dürfen und zu können. Im Geschehen lassen reguliert sich die Bereitschaft zwischen Therapeut oder Therapeutin und Klient und es werden nur die Gefühle und Erfahrungen ins Bewusstsein drängen, für die beide Beteiligten eine ausreichende, tragfähige Bereitschaft haben. Ein Forcieren oder Manipulieren dieses Bewusstwerdungsprozesses ist sinnlos und verstärkt (glücklicherweise) nur die Abwehr der Klienten.

Gefühle zuzulassen und tiefer in die Gefühle hinein und durch sie hindurch zu sinken ist der Weg alles vollständig zu fühlen. Im Sinken oder Fallen durch die Gefühle hindurch, tritt das gesamte erfahrene Leid ins Bewusstsein und es kommt zu der empirischen Erfahrung, das scheinbar unerträglich Leidvolle, überlebt zu haben. In manchen Fällen erfahren Klienten in dieser Arbeit das Ende allen Leids, indem sie erkennen, dass sie all das bisher Zurückgehaltene und Verdrängte aushalten können, dass sie es bereits überlebt haben und dass sie nach wie vor vollständig lebendig und in ihrem Sein unverletzt sind. Erfahren sie diesen Prozess als ein Fallen durch ihre „dunkelste Nacht“ kann es sein, dass sie in der Ruhe, dem Frieden und der Unendlichkeit ihres Seins aufwachen und erkennen, wer sie wirklich sind, hinter all ihren Erfahrungen und Bewältigungsstrategien. Sie erkennen, dass sie in ihrer wahren Natur  unverletzt, unbeschadet, frei, unendlich weit und tief sind. In dieser tiefen Heilungserfahrung ordnen sich Wichtigkeiten neu. Den, dem traumatischem Erleben folgendenden negativen Grundüberzeugungen wird angesichts der Erfahrung tiefer Unversehrtheit und Liebe die Grundlage entzogen. Mit zunehmender Vertiefung dieser Erfahrung lösen sich die traumabedingten Strukturen auf und die Person findet zu ihrer natürlichen Lebendigkeit, ihrer Einzigartigkeit und Lebendigkeit, zu Ruhe und zu Frieden zurück.

(Vgl .Chr. Meyer, Ein Kurs in wahrem Loslassen – Durch das Tor des Fühlens zu innerer Freiheit, 2016)

 

4. Die Bejahende Widerstandsarbeit

So wirkungsvoll und heilsam das Geschehenlassen und das Sinken durch die Gefühle für Klienten ist, so notwendig ist auch die Berücksichtigung der Widerstände. Widerstand ist Selbstschutz und ist Vorraussetzung für eine wirkungsvolle  Selbstregulationsfähigkeit. Widerstände schützen vor erneuten Verletzungen und einer drohenden Überflutung mit unaushaltbar erscheinenden Gefühlen.

Das Bejahen des Widerstands ist in der Personzentrierten Traumatherapie zentral. Im Widerstand gegenüber den unerträglichen Abwertungen und Entwertungen, die Klienten erfahren haben, verbirgt sich die gesamte Lebensenergie, -kraft und Freude der Klienten.

Mit dem Konzept der bejahenden Widerstandsarbeit kann diese Lebendigkeit entdeckt und wieder erfahren werden. Die bejahende Widerstandsarbeit ist eine zentrale, wenn nicht die zentrale Intervention, die die Befreiung von traumatischen inneren Strukturen ermöglicht. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht hier das Wiederentdecken der eigenen Unvershertheit und die Selbsterhaltungs- und Überlebenskompetenz der Klienten.

(vgl. Dennis Danner, Ja zu mir – Trauma und seelisches Wachstum, 2016)

 

Neben der Vertiefung des Verständnisses von Trauma und Traumaheilung wird in der Weiterbildung in Personzentrierter Traumatherapie die Methodensicherheit vertieft, um auch in schwierigen Momenten die Richtung nicht zu verlieren. Die Richtung ist immer das Fördern der Selbstbejahung.

 

Flyer Personzentrierte Traumatherapie Mentoren

Inhalte der einzelnen Seminare

Seminar 1

Das sichere Beziehungsangebot in der Therapie – Ohne Sicherheit keine Entwicklung

  • Ein tragfähiges Beziehungsangebot ermöglicht Gefühle zuzulassen
  • Sicherheit durch Bindung – Das sichere personzentrierte Beziehungsangebot:
    • Vertrauen durch Kongruenz (Echtsein)!
    • Mut zum Begrenztsein
    • Mitgefühl statt Mitleid
  • Grenzen erlauben
    • Grenzen in der therapeutischen Beziehung
    • gute Grenzen finden – verbunden bleiben – lernen gut auf sich aufzupassen

 

Seminar 2

Widerstand und Selbstregulation – Selbstliebe und das unbedingte Festhalten an Überlebensmustern

  •  Überleben durch Widerstand
  • Widerstand ist Selbstschutz
  • Selbstschutz und Selbstschädigung
  • Widerstände erkennen und transformieren
  • Überlebensmuster erzählen die Traumageschichte
  • Leben aus der eigenen Kraft und Lebendigkeit
  • chronisches Festhalten und das Bestehen auf unverzichtbaren Wahrheiten
  • Rückfällen in Überlebensmustern mit Selbstliebe begegnen

 

 

Seminar 3

Allgemeine Psychotraumatologie und Personzentrierte Traumatherapie – Theorie und Methoden

  • Trauma und Traumafolgestörungen
    • akute Belastungsreaktion
    • Anpassungsstörung
    • PTBS
    • Dissoziation und dissoziative Störungen
  • Die Hirnphysiologie des Traumas
  • Etablierte Traumatherapie und Personzentrierte Traumatherapie
    • Stabilisieren in der Personzentrierten Traumatherapie

 

 

Seminar 4

Die Wiederentdeckung des geliebten inneren Kindes – die Unfähigkeit liebevoll zu sich selbst zu sein beenden

  • Personzentrierte Traumatherapie und die Integration der Arbeit mit dem „Inneren Kind“
    • Tauma und die Abspaltung vom geliebten inneren Kind
    • Traumafolge:
      • Die Angst du selbst zu sein
      • die Fokussierung auf die Verhaltenserwartungen Anderer
      • Selbsterkundung und Wachsen in Selbstliebe
    • Traumafolge:
      • Nicht wissen wie es geht sich liebevoll zu beachten
      • Selbstanklagen, Selbstabwertungen, Selbsthass
      • Beachten der zugrunde liegenden Not
      • die Liebe im Selbsthass entdecken
    • Traumafolge:
      • bewerten statt wertschätzen
      • Selbstentfremdung statt Selbstannahme statt
  • Abschlusskolloqium

 

 

Seminar 5

Wie Traumatherapie eine Quelle von Glück und Erfüllung sein kann: Ressourcenbewusstsein

Wie vermeide ich Empathie-Ermüdung und Vereinsamung als Therapeut oder Therapeutin? Aus welcher Quelle schöpfe ich als Therapeut oder Therapeutin?

  • Eigene Bindungserfahrungen: was habe ich Gutes aus dem Schlimmen in meiner Lebensgeschichte gemacht?
  • Mit welchen Widerstandsformen habe ich mein Überleben gerettet
  • Wer bin ich, jenseits meiner Konzepte und Überzeugungen?
  • Eigene Grundwerte: das eigene Welt- und Menschenbild
  • Sinnfragen
  • Spirituelle Erfahrungen
  • Sich verbinden mit dem „Guten“:
    • Kraft schöpfen durch Rückzug und Selbstbesinnung
    • Kraft schöpfen durch Erfahrungen von Schönheit und Freude
    • Kraft schöpfen durch liebevolle Beziehungserfahrung
    • Kraft schöpfen durch bejahen der eigenen Widerstandskraft
  • Glücklichsein in der psychotherapeutischen Arbeit

 

Seminarübergreifend:

Methoden in der Personzentrierten Traumatherapie

  • Die personzentrierte therapeutische Grundhaltung
  • Das dialogische Aufstellen
  • Anleitung des Sinkens durch die Gefühle und Geschehen –lassens aus der Haltung bedingungsloser Wertschätzung
  • Bejahende Widerstandsarbeit

Emotionale erste Hilfe

  • Krisensituationen bewältigen
  • Frühwarnzeichen für Psychiatrische Erkrankungen erkennen
  • Zusammenarbeit mit anderen Institutionen: Hilfs-Netzwerke bilden

 

(Die Heilerlaubnis, die zur Durchführung von Psychotherapie berechtigt, ist über die Weiterbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie/ zur Heilpraktikerin für Psychotherapie einzuholen. Infos im Institut.)

Der Rahmen

Zugangsvoraussetzungen
Modul 1 + 2 des GAP Instituts Kassel, abgeschlossene Ausbildung zum BITEP Therapeuten am Karen Horney Institut Berlin, oder eine vergleichbare psychotherapeutische Weiterbildung

Umfang
4 Seminare a´ 4 Tage in ca. 2 Jahren

Das 5. Seminar kann bei Interesse als Zusatzseminar besucht werden

 

Kosten

1650 € (bei monatlicher Ratenzahlung ca. 70 €)

bei Buchung einzlener Seminare pro Seminar 420 €

5. Seminar: für TeilnehmerInnen der Weiterbildung 400 €, für andere Interessenten 420 €

 

Beginn
09.11.2019

 

Eigenleistung
30 Std. Lerntherapie
30 Std. kollegiale Supervision
Schriftliche Abschlussarbeit
Abschlusskolloqium, Fallpräsentation

 

Abschlusszertifikat
Personzentrierte Traumatherapie

bei Nachweis über

  • die Teilnahme an den Seminaren 1-4
  • die erbrachten Eigenleistungen

 

Termine

pro Kalenderjahr 2 Seminare:

Seminar 1: 09.-12.11.2019

Seminar 2: 22.-25.02.2020

Seminar 3: 05.-08.09.2020

Seminar 4: Feb/März 2021

Seminar 5 l Sept/Okt 2021

 

Information und Anmeldung

institut@gap-gruppe.net

Tel. 0561 – 77 37 02

Die Geschäftsbedingungen für Personzentrierte Traumatherapie finden Sie hier



Weitere Informationen zu unseren Angeboten erhalten Sie hier:
PDF-Flyer: GAP Institut Kassel - Weiterbildungen