Personzentrierte Traumatherapie hat zwei Schwerpunkte:

  1. Ein tragfähiges Beziehungsangebot auf der Grundlage der Personzentrierten Grundhaltung und                                                                                       
  2. Sicherheit im therapeutischen Weg, der auch angesichts unerträglich erscheinenden Leids oder aussichtslosem Verstrickt seins in negativen, einengenden, Grundüberzeugungen, oder unversöhnlichem, oder autoaggressivem Bestehen auf selbstschädigenden Überlebensmustern, einen Lösungsweg aufzeigen kann. Personzentrierte Traumatherapie baut auf der Fähigkeit auf, die selbsterhaltenden und selbstrettenden Impulse der Klienten auch in ihren verfestigten Überlebensmustern zu erkennen, in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken und ihre bejahende Exploration anzuregen. Ziel dieses therapeutischen Wegs ist die Wandlung selbstverneinender Strukturen in Selbstbejahung und Selbstliebe.

 

Die zentrale Frage der Klienten in der Traumatherapie ist die, ob sie sich sicher fühlen können und ob sie auch noch ausgehalten werden, wenn sie sich mit ihren traumatischen Erfahrungen und Selbstrettungsdynamiken zumuten.

Personzentrierte Traumatherapie ist eine Begleitung von Menschen auf ihrem Weg durch ihre Erfahrungen von schutzloser Preisgabe an existenziell bedrohliches Verletzt- werden, von Ohnmachtsgefühlen, Ausgeliefertsein und Todesangst. Es ist ein mitfühlendes Mit-gehen durch Verzweiflung, Wut und trotziges Aufbegehren gegen unfassbare Zuschreibungen von angeblicher Wertlosigkeit und Schlechtheit. Es ist ein Halt geben durch Mitfühlen, ohne sich in Mitleid zu verlieren. Ein sich Berühren lassen von dem Leid und vor allem von der Kraft der Klienten, ihr Überleben auf oft abenteuerlich kreative Weise gerettet zu haben. Und es ist ein sich Freuen an der Widerstandskraft und Widerstandsfähigkeit der Klienten, die es geschafft haben, sich einerseits so weitreichend, wie es überlebensnotwendig war, den Traumabedingungen angepasst zu haben, sich andererseits aber auch so vollständig verborgen und damit gerettet zu haben, dass sie in ihrem innersten Kern unbeschadet geblieben sind. Traumatherapie ist der Weg durch den Widerstand in die Freiheit. Ein Frei -werden von Verstrickungen und Selbstboykott und ein Entdecken und Entfalten der inneren Kraft, Stärke und der unzerstörbaren Lebendigkeit.

Grundlagen der Personzentrierten Traumatherapie:

1. Die Personzentrierung:

  • Empathie, Wertschätzung und Kongruenz werden in der Personzentrierten Traumatherapie nicht als theoretische Lehrformeln verstanden, sondern als unmittelbare, tiefe Menschlichkeit gelebt
  • Empathie ist Öffnung für das Leid der Anderen, das im therapeutischen Prozess getragen wird durch die Öffnung der Therapeuten für ihre eigene tiefste Lebendigkeit, Liebe und Kraft
  • Wertschätzung bedeutet in der Personzentrierten Traumatherapie bedingungslose Wertschätzung allen Beteiligten gegenüber, den Opfern und den Tätern. Die Wertschätzung für die Opfer respektiert das Ausgeliefert sein des Opfers an die traumatisierende Situation und erkennt an, dass (in einem Entwicklungstrauma) durch einen verachtenden und missbräuchlichen Umgang mit der Verantwortung der Erwachsenen bzw.  der, im Hierarchiegefüge mächtigeren Person, das Opfer Schaden genommen und mit erheblichen Einschränkungen und Belastungen zu leben hat. Wertschätzung für die Opfer ist gleichermaßen die Anerkennung ihrer enormen Selbstrettungskompetenz und ihrer lebensrettenden Widerstandsfähigkeit gegenüber unfassbarer Lieblosigkeit. Wertschätzung gegenüber den Tätern  bedeutet den oft lebenslangen Schaden anzuerkennen, den sie durch Ihre Taten bei den Opfern verursacht haben. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Traumastruktur kann zu einem Verstehen führen und eine Möglichkeit für   Täter und Opfer sein sein, Frieden zu finden.
  • Kongruenz bedeutet Echt sein. Echt sein ist unerlässliche Bedingung in der therapeutischen Beziehung, um Vertrauen und Sicherheit zu ermöglichen.

(vgl. Carl R. Rogers: Die nicht-direktive Beratung, 1985/ Die klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie / Client centerd Therapy, 1988/ Entwicklung der Persönlichkeit – Konzepte der Humanwissenschaften/ 1985, Eine Theorie der Psychotherapie, der Persönlichkeit und der zwischenmenschlichen Beziehungen,1991

 

 

2. Die Psychologie der Selbstbejahung

Selbstbejahung ist der Weg aus dem Trauma. Während die betroffene Person in der Traumaerfahrung erlebt, dass sie angeblich nichts an Wert, minderwertig oder schlecht sei, kann diese zur Überzeugung gewordene Selbstwahrnehmung nur durch Selbstbejahung in eine heilsame Kraft umgewandelt werden.

Selbstbejahung hat nichts zu tun mit positivem Denken. Die Überzeugungskraft positiver Gedanken gegenüber den verankerten negativen Grundüberzeugungen, geht gegen Null. Eine betroffene Person ist durch positive Gedanken, die sie sich vorsagt, nicht davon zu überzeugen, dass sie ihre, unter großer Gefahr für ihre seelische Gesundheit gemachten Erfahrungen von Fremdverneinung, nun anders bewerten könne. Selbstbejahung bedeutet viel mehr alles, was ist, zu bejahen, auch und vor allem die Selbstverneinung. Das Bejahen der eigenen Selbstverneinung führt zu der Erkenntnis, dass die Selbstverneinung ein notwendiger Schritt zur eigenen Überlebenssicherung unter traumatisierenden Lebensbedingungen war. Sie diente letztendlich dem Selbsterhalt und muss als eine lebenserhaltende Selbstliebe gesehen und exploriert werden.

(Vgl. Hartmann u.a., Selbstbejahung als Weg aus dem Trauma, 2011)

 

3. Die tiefenpsychologisch existenzielle und spirituelle Arbeit nach Christian Meyer und die Haltung des Geschehen lassens

Die personzentrierte Grundhaltung ist eine zentrale Voraussetzung für die Haltung des Geschehen lassens. Geschehen lassen bedeutet, den Gefühlen, die sich von alleine zeigen wollen, zu erlauben sich zu zeigen, ohne Manipulation oder Druck. Klienten erleben die Haltung des Geschehen lassens als eine Einladung, ihre Gefühle, auch die, die unaushaltbar erscheinen, wirklich zulassen zu dürfen und zu können. Im Geschehen lassen reguliert sich die Bereitschaft zwischen Therapeut oder Therapeutin und Klient und es werden nur die Gefühle und Erfahrungen ins Bewusstsein drängen, für die beide Beteiligten eine ausreichende, tragfähige Bereitschaft haben. Ein Forcieren oder Manipulieren dieses Bewusstwerdungsprozesses ist sinnlos und verstärkt (glücklicherweise) nur die Abwehr der Klienten.

Gefühle zuzuassen und tiefer in die Gefühle hinein und durch sie hindurch zu sinken ist der Weg alles vollständig zu fühlen. Im Sinken oder Fallen durch die Gefühle hindurch, tritt das gesamte erfahrene Leid ins Bewusstsein und es kommt zu der empirischen Erfahrung, das, scheinbar unerträglich Leidvolle, überlebt zu haben. In manchen Fällen erfahren Klienten in dieser Arbeit das Ende allen Leids, indem sie erkennen, dass sie all das bisher Zurückgehaltene und Verdrängte aushalten können, dass sie es bereits überlebt haben und dass sie nach wie vor vollständig lebendig und in ihrem Sein unverletzt sind. Erfahren sie diesen Prozess als ein Fallen durch ihre „dunkelste Nacht“ kann es sein, dass sie in der Ruhe, dem Frieden und der Unendlichkeit ihres Seins aufwachen und erkennen, wer sie wirklich, hinter all ihren Erfahrungen und Bewältigungsstrategien in Wahrheit sind: unverletzt, unbeschadet, frei, unendlich weit und tief. In dieser tiefen Heilungserfahrung ordnen sich Wichtigkeiten neu. Den negativen Grundüberzeugungen wird angesichts der Erfahrung tiefer Unversehrtheit und Liebe kein Glaube mehr geschenkt. Mit zunehmender Vertiefung dieser Erfahrung lösen sich die traumabedingten Strukturen auf und die Person findet zu ihrer natürlichen Lebendigkeit, ihrer Einzigartigkeit und Gleichheit mit allem Leben, zur Ruhe und zu Frieden zurück.

(Vgl .Chr. Meyer, Ein Kurs in wahrem Loslassen – Durch das Tor des Fühlens zu innerer Freiheit, 2016)

 

4. Die Bejahende Widerstandsarbeit

So wirkungsvoll und heilsam das Geschehen lassen und das Sinken durch die Gefühle für Klienten ist, so notwendig ist auch die Berücksichtigung der Widerstände. Widerstände schützen vor erneuten Verletzungen und einer drohenden Überflutung mit unaushaltbar wirkenden Gefühlen. Das Bejahen des Widerstands ist in der Personzentrierten Traumatherapie zentral. Im Widerstand gegenüber unerträglichen Abwertungen und Entwertungen, die Klienten erfahren haben, verbirgt sich die gesamte Lebensenergie, -kraft und Freude der Klienten. Mit dem Konzept der bejahenden Widerstandsarbeit kann diese Lebendigkeit entdeckt und wiedererfahren werden. Die bejahende Widerstandsarbeit ist eine zentrale, wenn nicht die zentrale Intervention in der Personzentrierten Traumatherapie, die Befreiung von traumatischen inneren Strukturen wesentlich ermöglicht. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht hier die Selbsterhaltungs- und Überlebenskompetenz der Klienten.

(vgl. Dennis Danner, Ja zu mir – Trauma und seelisches Wachstum, 2016)

Themenschwerpunkte in der Weiterbildung in Kürze:

1.Die Sicherheit gebende therapeutische Beziehung, das personzentrierte Beziehungsangebot

  • Kongruenz!
  • Engagement und Begrenzt sein
  • Übertragung und Gegenübertragung: die Beziehungserfahrung mit dem Klienten gibt Hinweise auf die Überlebensmuster der Klienten
  • Mitgefühl statt Mitleid
  • Dem Schlimmen eine Sprache geben: die Bereitschaft entwickeln, das Leid der Klienten, das oft so unfassbar ist, dass es bisher nicht ausgesprochen werden konnte, mittragen zu können

 

2. Das Handwerkszeug

  • Die tragfähige Beziehung:
    • das gemeinsam Aushalten des Leids des Klienten und das Mitfühlende da sein.
    • das Erkennen und Bearbeiten von Ausweichstrategien, die auf frühe Beziehungserfahrungen zurückgreifen und das therapeutische Beziehungsangebot auf die Probe stellen.
    • Geduld durch Erkennen des Sinns.
    • Das Erkennen der Selbstrettungskraft in den Widerständen
  • Das dialogische Aufstellen
  • Anleitung des Sinkens durch die Gefühle und Geschehen –lassens aus der Haltung bedingungsloser Wertschätzung
  • Bejahende Widerstandsarbeit

In der Weiterbildung in Personzentrierter Traumatherapie vertiefst du deine Methodensicherheit, um auch in schwierigen Momenten die Richtung nicht zu verlieren. Die Richtung ist immer: Bejahung von allem was sich zeigt, Verstehen und in den tieferen Sinn, der sich aus der Erfahrung der Klienten ergibt, einbetten

 

3. Emotionale erste Hilfe:

  • Was tun in Krisensituationen? Krisen als Chance nutzen
  • Kenntnisse über psychiatrische Erkrankungen, Frühwarnzeichen verschiedener Erkrankungen
  • Zusammenarbeit mit Institutionen: Netzwerke bilden

 

4. Ressourcenbewusstsein:

Wie vermeide ich Empathie-Ermüdung und Vereinsamung als Therapeut oder Therapeutin? Aus welcher Quelle schöpfe ich als Therapeut oder Therapeutin?

  • Eigene Bindungserfahrungen: was habe ich Gutes aus dem Schlimmen meiner Lebensgeschichte gemacht?
  • Mit welchen Widerstandsformen habe ich mein Überleben gerettet
  • Wer bin ich, jenseits meiner Konzepte und Überzeugungen?
  • Eigene Grundwerte: das eigene Welt- und Menschenbild
  • Sinnfragen
  • Spirituelle Erfahrungen
  • Sich verbinden mit dem „Guten“: Kraft schöpfen durch Rückzug
  • Kraft schöpfen durch Erfahrungen von Schönheit und Freude
  • Kraft schöpfen durch liebevolle Beziehungserfahrung
  • Kraft schöpfen durch bejahen der eigenen

 

(Die Heilerlaubnis, die zur Durchführung von Psychotherapie berechtigt, ist über die Weiterbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie/ zur Heilpraktikerin für Psychotherapie einzuholen. Infos im Institut.)

Rahmenbedingungen

Zugangsvoraussetzungen
Modul 1 + 2

Umfang
3 Seminare a´ 4 Tage in 1,5 Jahren

Kosten
1250 € (bei monatlicher Ratenzahlung ca. 70 € mtl)

Beginn
September 2018

Eigenleistung
30 Std. Lerntherapie
30 Std. kollegiale Supervision
Schriftliche Abschlussarbeit
Abschlusskolloqium, Fallpräsentation

Abschlusszertifikat
Personzentrierte Traumatherapie

Termin
Beginn September 2018



Weitere Informationen zu unseren Angeboten erhalten Sie hier:
PDF-Flyer: GAP Institut Kassel - Weiterbildungen